17.11.2009

Autoversicherung: Einige hundert Euro sparen

Autoversicherung Test

Vor dem Kündigungstermin am 30. November haben einige Autoversicherer noch mal am Preis gedreht.

Der Countdown läuft. Noch bis zum 30. November können viele Autofahrer ihre Versicherung wechseln.

Die Preise sind ständig in Bewegung. Auch in diesem Jahr ist durch einen Wechsel zu einem günstigeren Autoversicherer eine Ersparnis von mehreren hundert Euro pro Jahr drin. Selbst für Kunden, die im Vorjahr gewechselt haben, lohnt es sich, ihren Vertrag zu überprüfen. Das hat unsere große Untersuchung zur Autoversicherung in Finanztest 11/2009 ergeben.

Weil etliche Versicherer kurz vor dem Stichtag noch mal die Preise für Neukunden ändern, haben wir nachgetestet und die Versicherungsbeiträge für den 1. Januar 2010 abgefragt. Das Ergebnis: Fast alle, die in unserer Hauptuntersuchung zum Stichtag 1. September 2009 sehr preisgünstige Tarife angeboten haben, gehören auch zum 1. Januar 2010 noch zur ersten Wahl.

Versicherungsgesellschaften wie die Direct Line und die AdmiralDirekt haben zum 1. Januar 2010 sogar noch einmal die Preise gesenkt und können nun für alle ihre Tarife ein überdurchschnittlich preisgünstiges Beitragsniveau vorweisen.

Eine Ausnahme gibt es leider: die Asstel. Unsere Berechnungen zeigen, das die Versicherungsgesellschaft mit ihren Tarifen fast immer teurer geworden ist.

Asstel ist teurer geworden

Vollmundig hatte die Asstel nach unserer Hauptuntersuchung in die Welt posaunt, dass sie im umfangreichen Kfz-Versicherungsvergleich von Finanztest „Viermal Platz 1“ geschafft hat und „14-mal unter den Top Ten“ unserer Modellfälle war.

Das ist Schnee von gestern. Hatte der Versicherer aus Köln beim Modellfall „Junge Familie“ jüngst noch eine Spitzenposition inne, ist er dort nun nicht einmal mehr unter den zehn preisgünstigsten Tarifen zu finden (siehe „Tabelle: Eine junge Familie“).

Auch für die „Alleinfahrerin“ ist die Asstel nicht mehr erste Wahl. Der Basis-Tarif der Asstel gehört für die Frau aus Lüneburg zwar immer noch zu den Top Ten (siehe “Tabelle: Alleinfahrerin“). Aber er ist deutlich teurer geworden.

Hätte die 43-Jährige am 1. September den Basistarif der Asstel gewählt, hätte sie 174 Euro pro Jahr zahlen müssen. Würde sie nun zum 1. Januar 2010 bei der Asstel abschließen, müsste sie 232 Euro zahlen – 58 Euro mehr pro Jahr. Der Grund dafür ist zum einen die Preispolitik der Asstel und zum anderen die Tatsache, dass ihr Seat Ibiza nun schlechter eingestuft ist.

Jedes Jahr im Herbst werden die Unfallstatistiken ausgewertet und die Versicherer stufen danach manche Autos neu ein. Je häufiger zum Beispiel mit einem Autotyp Unfälle verursacht wurden, desto höher wird das Auto in der Typklasse gestuft. Entsprechend teurer wird dann auch der Versicherungsbeitrag.

Der Seat Ibiza der Alleinfahrerin hatte in der Vollkaskoversicherung zuletzt die Typklasse 17. Zum neuen Jahr ist er in die schlechtere Klasse 18 eingestuft.

Im Vergleich zum Marktdurchschnitt ist das allgemeine Beitragsniveau der Asstel zwar noch besser als bei vielen Konkurrenten. Ihre Preise sind aber eben nicht mehr ganz top. Für Kunden, die nur eine Haftpflichtversicherung suchen, hatten wir die Asstel als sehr günstig hervorgehoben. Diese Spitzenposition haben zum 1. Januar 2010 andere inne – die Gesellschaften AdmiralDirekt und Direct Line.

Der Preisanstieg der Asstel ist ärgerlich für Kunden, die sich wegen der Spitzenposition im September für diesen Versicherer entschieden haben, deren Vertrag aber erst ab 1. Januar 2010 beginnt.

Unbeliebt macht sich Asstel auch bei Menschen, die schon in den vergangenen Jahren zu ihr gewechselt sind. Reihenweise schmeißt sie derzeit Kunden ohne besonderen Anlass raus (mehr dazu in der Meldung Der Fall).

Beitragsniveau als Entscheidungshilfe

Ein wichtiger Gradmesser für die Frage, ob ein Versicherungsangebot allgemein günstig ist oder nicht, ist das Beitragsniveau.

Zum 1. September 2009 haben wir allen Autoversicherern Modellfälle vorgelegt und die Beitragshöhe für diese Fälle abgefragt. Aus den Preisen haben wir damals das durchschnittliche Beitragsniveau errechnet und ermittelt, wo das Beitragsniveau des einzelnen Versicherers im Vergleich zum Marktdurchschnitt liegt.

So sind wir nun noch einmal vorgegangen und wollten von den Versicherern die Beiträge wissen, die sie für Neukunden am 1. Januar 2010 verlangen. Durch unsere Nachuntersuchung konnten wir Preisbewegungen wie etwa bei der Asstel feststellen.

Das Beitragsniveau wird durch Pfeile symbolisiert (siehe „Tabelle: Die Beiträge der Autoversicherer ab Januar 2010“). Sind die Pfeile gelb markiert, deuten sie auf Angebote mit einem sehr preisgünstigen Beitragsniveau hin. Zeigt ein Pfeil nach unten, ist es vergleichsweise teuer.

Reuige Kunden können widerrufen

Bis auf die genannten Ausnahmen hat sich beim durchschnittlichen Beitragsniveau insgesamt nur wenig verändert. Wenn es Verschlechterungen gab, tauchten diese vor allem bei Versicherern auf, die schon in der Hauptuntersuchung preislich nur Durchschnitt oder schlechter waren.

Wer für 2010 schon bei einem neuen teuren Versicherer einen Vertrag unterschrieben hat und seinen Abschluss nun bereut, weil er woanders etwas Günstigeres gefunden hat, kann seiner Versicherung auch noch absagen:

Die Kunden können einen neu abgeschlossenen Vertrag zwei Wochen lang ohne Angabe von Gründen widerrufen.

Die zweiwöchige Widerrufsfrist beginnt erst mit Erhalt des Versicherungsscheins. Die meisten Versicherungswechsler dürften den neuen Versicherungsschein noch gar nicht oder erst vor kurzem erhalten haben. Wer widerruft, muss sich dann für 2010 einen neuen Versicherer suchen. Die Checkliste rechts hilft dabei.

Kündigen nach Beitragserhöhung

Alle Autofahrer, die zu Anfang 2010 noch zu einer günstigeren Autoversicherung wechseln wollen, müssen sich jetzt sputen. Die Autoversicherung kann einen Monat vor Laufzeitende ordentlich gekündigt werden. Da die meisten Verträge von Januar bis Dezember laufen, muss die Kündigung bis zum 30. November bei der bisherigen Versicherung eingegangen sein.

Einige Versicherer orientieren sich jedoch nicht am Kalenderjahr, sondern bieten Verträge an, die zwölf Monate ab Vertragsschluss laufen. Wer etwa im Sommer 2009 ein Auto gekauft hat und ab 1. Juli 2009 einen Versicherungsvertrag mit einer solchen flexiblen Laufzeit abgeschlossen hat, kann erst nach Ablauf eines Jahres kündigen. Er muss dann bis Ende Mai 2010 gekündigt haben.

Wer eigentlich zum 30. November kündigen muss und den Termin versäumt, sollte genauer in die Post von seiner Versicherung schauen. Vielleicht ergibt sich daraus die Möglichkeit, auch nach dem Stichtag noch zu kündigen:

Kunden, denen für das Jahr 2010 eine Beitragserhöhung angekündigt wird, ohne dass sich der Umfang des Versicherungsschutzes erweitert, können innerhalb eines Monats nach Zugang der Mitteilung über die Erhöhung außerordentlich kündigen.

Beispiel: Ein Kunde hat am 25. November 2009 die Mitteilung im Briefkasten, dass sich seine Versicherung für 2010 verteuert. Dann kann er die Versicherung noch bis zum 24. Dezember kündigen.

Möchte eine Versicherungsgesellschaft ab 2010 den Beitrag erhöhen, muss sie das spätestens einen Monat vor Beginn des neuen Jahrs mitteilen. Alle Beitragserhöhungen, die zum neuen Jahr wirksam werden, müssen also bis zum 30. November beim Kunden eingehen.

Ein außerordentliches Kündigungsrecht haben Kunden auch, wenn der Versicherer mitteilt, dass sich ab dem kommenden Jahr der Versicherungsschutz vermindert, aber der Beitrag nicht sinkt.

Die Versicherer sind verpflichtet, ihre Kunden mit der Beitragsrechnung ausdrücklich auf ihr Recht zur außerordentlichen Kündigung wegen einer Beitragserhöhung hinzuweisen.

Billig allein reicht nicht

Kündigen hat natürlich nur Sinn, wenn man bei einer anderen Versicherung die gewünschten Leistungen günstiger bekommt. Autofahrer sollten sich klar darüber werden, für welche Fälle sie versichert sein wollen. Für sehr alte Autos reicht oft die Kfz-Haftpflichtversicherung aus, die gesetzlich vorgeschrieben ist.

Für neuere Autos kommt zusätzlich eine Vollkasko- oder Teilkasko in Betracht. Die Teilkaskoversicherung deckt Schäden am eigenen Auto ab, die man durch die eigenen Fahrkünste kaum beeinflussen kann. Sie hilft etwa nach einer Kollision mit Wild oder einem Diebstahl. Die Vollkasko zahlt darüber hinaus sogar bei selbstverursachten Schäden am eigenen Auto.

Wer sich allein für den Haftpflichtschutz entscheidet, kann sich am Beitrag orientieren. Denn die Leistungsunterschiede zwischen den Haftpflichttarifen der Versicherer sind gering.

Kaskokunden sollten sich hingegen genau anschauen, was der Versicherer für den Beitrag bietet. Wie wir im vorhergehenden Heft festgestellt haben, sind die günstigen Versicherungstarife oft auch diejenigen mit geringen Leistungen. Zum Beispiel liegt die Neuwertentschädigung für Neuwagen je nach Versicherungstarif zwischen 0 und 24 Monaten.

Wer für sein neues Auto eine Vollkaskoversicherung mit Neuwertentschädigung für 24 Monate abgeschlossen hat und den Wagen nach 14 Monaten schrottreif fährt, erhält genug Geld, um sich ein neues Auto zu kaufen. Ohne Neuwertentschädigung bekäme er nur den Wiederbeschaffungswert. Dieser Wert liegt kurz nach Zulassung des Pkw schon unter dem Kaufpreis.

Vergleichsportale im Netz

Das Internet hilft bei der Suche nach einem Tarif. Viele Versicherungsgesellschaften haben inzwischen Tarifrechner auf ihren Internetseiten, mit denen interessierte Verbraucher sich ihren Beitrag unverbindlich ausrechnen lassen können.

Auch gibt es inzwischen einige Internet-Vergleichsportale. Hier müssen Kunden darauf achten, wie aktuell die Ergebnisse der Onlinevergleiche sind und dass auch wirklich eine große Anzahl – mindestens 80 – unterschiedlicher Tarife verglichen wird.

Meist werden die Leistungen eines Versicherungstarifs in diesen Auswertungen nicht berücksichtigt. Und es kostet Zeit, sie in den Versicherungsbedingungen einzeln nachzulesen.

Wir haben in der großen Vergleichstabelle aus Finanztest 11/2009 die wichtigsten Leistungen aller getesteten Versicherungstarife dargestellt. Die Tabelle steht kostenfrei für alle unter www.test.de/tabelle-autoversicherung.

Es lohnt sich wirklich, den Stress eines Versichererwechsels jetzt auf sich zu nehmen. Je größer die Einsparungen bei der Autoversicherung, desto üppiger können anschließend die Geschenke vom Weihnachtsmann ausfallen.

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