Neue Internetangebote beleben den Markt. Durch einen Tarifwechsel sparen Kunden leicht 300 Euro im Jahr – oft sogar deutlich mehr.
Keine Frage: Die Autoversicherer haben kreative Ideen, wenn es darum geht, mit besonderen Extras neue Kunden zu locken. Die Ineas bietet in ihrem Tarif Lady-caronline – offen nur für Frauen – speziellen Schutz für die Handtasche ihrer Kundinnen. Wird das gute Stück aus dem Auto gestohlen, gibt es bis zu 300 Euro Ersatz von der Kaskoversicherung.
Bei der Janitos dürfen Versicherungsnehmer, die ihren Wagen eigentlich allein nutzen, für zwei Wochen im Jahr einen anderen Fahrer ans Steuer lassen. Der gemeinsamen Autoreise mit dem Partner steht damit nichts entgegen. Und die Direct Line verpasst in ihren Tarifen dem Rabattretter, der dem Angebot anderer Versicherer ähnelt, den auffälligen Titel „Nix-Passiert-Tarif“: Der Kunde darf sich einen Haftpflichtschaden leisten, ohne seinen Schadenfreiheitsrabatt zu verlieren.
Kreativität allein reicht aber nicht: Entscheidend für die Wahl der Autoversicherung bleibt für viele Kunden der Preis. In unserem Test lagen zwischen den günstigsten und den teuersten Angeboten für acht Modellkunden Preisunterschiede von oft mehreren Hundert Euro im Jahr.
Familie Sur aus Bornheim kann zum Beispiel den Haftpflicht- und Vollkaskoschutz für ihren Mazda im Basis-Tarif der WGV für 380 Euro im Jahr bekommen. Für den teuersten Tarif im Testbeispiel müsste die Familie 1 036 Euro zahlen.
Wir haben für Familie Sur aus 153 Tarifen die zehn günstigsten Angebote ermittelt. Dasselbe haben wir auch für einen Vielfahrer, einen Rentner, eine Frau, die ihren Wagen allein nutzt, und vier weitere Modellkunden gemacht.
Die größte Differenz haben wir für einen jungen Bankangestellten ermittelt, der ein neues Auto kaufen will und sich für einen Daihatsu Sirion, einen Kleinwagen, interessiert. Will er für dieses Auto Haftpflicht und Vollkasko abschließen, verlangen die Versicherer zwischen 746 Euro und 3 647 Euro im Jahr (siehe Tabelle: Käufer eines Kleinwagens).
Der Markt ist in Bewegung
Das Tarifangebot ist im Vergleich zur Untersuchung im vergangenen Jahr weiter gewachsen: Mit 153 Tarifen von 83 Versicherern haben wir noch einmal 28 Angebote mehr als 2007. Erstmals dabei ist zum Beispiel die R+V24, die neu gegründete Internettochter der R + V-Versicherung.
In unserer großen Übersichtstabelle ab Seite 60 haben wir für alle Normaltarife das Beitragsniveau und die Leistungen abgebildet. Neuling in dieser Übersicht ist auch der Internetversicherer AdmiralDirekt, der es gemeinsam mit Asstel und Ineas unter die drei Anbieter mit besonders günstigem Beitragsniveau geschafft hat.
Die AdmiralDirekt gehört zu den Versicherern, die sich ihre Kunden vor Vertragsabschluss ganz genau ansehen: Interessenten müssen dem Versicherer erlauben, dass er ihre finanziellen Möglichkeiten überprüft. Stimmen die Kunden der Bonitätsprüfung nicht zu, haben sie nicht einmal die Möglichkeit, mit dem Rechner auf der Internetseite den Beitrag zu berechnen.
Immer mehr Versicherer verlangen, dass Kunden vor dem Vertragsabschluss einer Bonitätsprüfung zustimmen. Die Informationen über die Kreditwürdigkeit ihrer Kunden kaufen sie bei Datenbanken ein (siehe Artikel: Elektronische Versicherungsbestätigung aus Finanztest 9/2008). Gefällt ihnen der Kunde nicht, können sie ihm den Kaskoschutz verweigern.
Wer seine Daten geheim halten möchte, sollte sich nicht auf die Überprüfung einlassen und bei anderen Versicherern ein Angebot einholen. Es kann natürlich sein, dass er dort mehr zahlen muss.
Individuelle Angebote
„Es ist gar nicht so einfach, sich bei all diesen Angeboten einen Überblick zu verschaffen“, sagt Jürgen Blombach aus Remscheid. Der 67-jährige Rentner versucht es dennoch und scheut nicht davor zurück, im Internet Preise und Leistungen zu vergleichen. Der Preis für die Autoversicherung hängt von vielen individuellen Faktoren ab, zum Beispiel vom Geschlecht und Beruf des Versicherungsnehmers oder von seiner Wohnsituation. Wie bestimmte Kriterien den Beitrag beeinflussen können, zeigt die Rechnung in der Tabelle unten.
Kunden, die nur eine Haftpflichtversicherung suchen, können sich bei der Wahl des Tarifs am Beitragsniveau orientieren. Da die Versicherung gesetzlich vorgeschrieben ist, sind die Leistungen der Versicherer nahezu identisch. Anders sieht es in der Kaskoversicherung aus: Hier gibt es Unterschiede bei den Extras, die ohne Zuschlag mitversichert sind. „Mir ist zum Beispiel wichtig, dass der Versicherer auch Marderbissschäden übernimmt“, sagt Familienvater Timo Sur.
Auf dieses Extra müsste er verzichten, wenn er den für ihn günstigsten Basis-Tarif der WGV wählt. Gibt die Familie 26 Euro im Jahr mehr aus und wählt den Standard-Tarif des Versicherers, bekommt sie unter anderem Marderbissschäden an Kabeln, Schläuchen, Leitungen und Gummimanschetten ersetzt. Es gibt eine Vielzahl weiterer Leistungen, die mehrere Versicherer kostenlos mit anbieten. Die wichtigsten nennt die Tabelle: Schutz für das Auto.
Bedarf sinkt mit den Jahren
Kunden mit einem neuen Wagen sollten eine Vollkaskoversicherung abschließen. Nur mit ihr bekommen sie vom Versicherer Ersatz, wenn ihr Wagen durch einen selbst- verschuldeten Unfall oder Vandalismus geschädigt wurde.
Jeder Vollkaskokunde hat gleichzeitig Teilkaskoschutz. Damit sind auch Unwetterschäden und Diebstahl gedeckt.
Nach ein paar Jahren genügt als Ergänzung der Haftpflichtversicherung in der Regel der Teilkaskoschutz allein. Später wird auch er überflüssig, da die Kaskoversicherung nur den Zeitwert des Fahrzeugs erstattet. Für alte Fahrzeuge lohnen sich die zusätzlichen Beiträge dann kaum noch.
Teure Tarife für junge Fahrer
Selbst die Beiträge für die Haftpflichtversicherung können aber gerade für junge Fahrer zur kaum überwindbaren Hürde werden. Während Autofahrer, die viele Jahre schadenfrei gefahren sind, von Schadenfreiheitsrabatten profitieren, wird ein Führerscheinneuling oft in Klasse 0 eingestuft.
Allein die Haftpflichtversicherung für einen 14 Jahre alten Ford Fiesta würde in dieser teuren Klasse unseren 19-jährigen Modellkunden zwischen 935 und 6 293 Euro im Jahr kosten. Eine gleichaltrige Frau könnte sich immerhin für knapp 800 Euro versichern.
In Schadenfreiheitsklasse 1/2, in die es junge Fahrer in der Regel schaffen können, wenn ihr Vertrag fast ein Kalenderjahr lief, sinkt der Beitrag dann aber deutlich. So kann die 19-jährige Isabella Stockfisch aus Brühl ihren Wagen im Fair-Tarif bei der AdmiralDirekt für 587 Euro versichern. Das teuerste Angebot würde sie 2 900 Euro im Jahr kosten (siehe Tabelle: Junger Fahrer).
Etliche Versicherer versuchen mit hohen Beiträgen Fahranfänger abzuschrecken, doch es gibt inzwischen auch einige, die jungen Kunden etwas mehr bieten als bisher. Die Zahl der Anbieter steigt, die Führerscheinneulingen nach einem Jahr „begleitetem Fahren“ Rabatt geben.
Ein spezielles Angebot für Studenten hat die Öffentliche Oldenburg parat: Studierende Neukunden, die noch keine 30 Jahre alt sind, erhalten 20 Prozent Nachlass auf den Versicherungsbeitrag.
Spezialrabatte der Versicherer klingen oft verlockend, doch Prozente auf einen eher mittelmäßigen Preis können immer noch deutlich teurer sein als normale Konditionen bei einem günstigen Anbieter.
Junge Fahrer sollten zunächst möglichst beim Versicherer ihrer Eltern einen eigenen Vertrag abschließen, da sie hier oft eine günstigere Ersteinstufung ihres Vertrags bekommen – meist 140 Prozent Beitragssatz oder besser in der Kfz-Haftpflicht.
Überblick verschaffen
Vor dem Vertragsabschluss lohnt es sich in jedem Fall, mehrere Angebote zu vergleichen. Viele Versicherer bieten inzwischen auf ihrer Internetseite einen Tarifrechner an, mit dem jeder seinen Beitrag unverbindlich ermitteln kann.
Weitere Daten zu einem Tarif bietet das Produktinformationsblatt, das die Versicherer Kunden vor Vertragsabschluss zur Verfügung stellen müssen. Dazu sind sie seit Mitte des Jahres gesetzlich verpflichtet (mehr zu Gesetzesänderungen siehe Text Dreimal Plus für die Kunden).
In dem Schreiben findet der Kunde zusammengefasste Informationen zu Preis und Umfang des Versicherungsschutzes, zu seinen Pflichten bei Vertragsabschluss oder im Schadensfall sowie Hinweise über Beginn und Ende des Schutzes.
Interessenten, die auf einen schnellen, einfachen Vergleich mehrerer Angebote anhand des Papiers hoffen, werden jedoch enttäuscht sein. Denn die Informationsblätter sind alles andere als einheitlich.
Mal genügt eine bedruckte Seite, mal gönnt sich ein Versicherer dafür vier Seiten. Es gibt Anbieter, die Informationen und Preise zum Haftpflicht- und Kaskoschutz in separaten Papieren aufschlüsseln, andere fassen alles auf einem Blatt zusammen.
Nur eine Gemeinsamkeit findet sich in allen Produktinformationsblättern: der Hinweis, dass die Information nicht abschließend ist. Wer also genau wissen will, was ein Tarif bietet, wird nicht umhinkönnen, einen Blick in die kompletten Versicherungsbedingungen zu werfen.
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