Autoversicherung: Der Beitrag sinkt
Die Allianz hat ihre Beiträge für die Autoversicherung gesenkt. Inzwischen ziehen andere Versicherer dem Branchengrößten nach. Die Zeit zum Wechseln ist günstig.
Christel Otte hatte schon länger das Gefühl, dass sie für ihre Autoversicherung zu viel zahlt. Doch dass es gleich 554 Euro sind, die sie im Jahr sparen könnte, hat die Hausfrau aus Bitburg doch überrascht. Sie muss dafür nur von ihrer bisherigen Gesellschaft, der Allianz, zum Versicherer deutsche internet wechseln.
Finanztest hat wie jedes Jahr die Beiträge und Zusatzleistungen der Autoversicherer untersucht. Wir konnten für fast alle Unternehmen des Marktes das Beitragsniveau ermitteln. Die Preisunterschiede sind teilweise enorm, wie das Beispiel von Frau Otte zeigt.
Noch bis zum 30. November können Versicherungskunden bei ihrer alten Gesellschaft ganz regulär kündigen und zu einer günstigeren wechseln.
Wechseln lohnt sich
Christel Otte ist mit der Allianz eigentlich zufrieden. Sie hatte nie Probleme und der Vertreter der Versicherung gehört sogar zu ihrem Bekanntenkreis. „Trotzdem habe ich mich gefragt, ob ich nicht ein wenig zu viel bezahle“, sagt die 61-Jährige. Für die Haftpflicht- und Vollkaskoversicherung ihres 5er BMW musste sie der Allianz dieses Jahr 1 165 Euro überweisen.
Die Allianz – mit einem Marktanteil von knapp 18 Prozent und 8,8 Millionen versicherten Fahrzeugen der größte Autoversicherer in Deutschland – scheint sich Ähnliches gefragt zu haben. Sie hat seit September im Schnitt ihre Beiträge für Neuabschlüsse gesenkt.
Das nützt Christel Otte aber erst einmal nicht viel. Denn für sie als „Bestandskundin“ gelten die Preissenkungen nicht. Sie müsste bei der Allianz kündigen und einen neuen Vertrag abschließen, um von den günstigeren Beiträgen zu profitieren.
Dann würde sie für Haftpflicht und Vollkasko nur noch rund 880 Euro im Jahr bezahlen. Das ist immerhin ein Viertel weniger als jetzt.
Doch wenn sie sowieso kündigt, kann sie auch gleich zu einem wirklich günstigen Anbieter wechseln: Nur 611 Euro im Jahr würde die deutsche internet verlangen, wenn sie dort die Haftpflicht- und Vollkaskoversicherung abschließt.
Christel Otte will aber lieber nicht zu einem Internetversicherer. Sie bevorzugt eine Gesellschaft mit Filialnetz. Auch dann geht es günstiger als bei der Allianz. 699 Euro im Jahr würde zum Beispiel die Huk-Coburg Allgemeine von ihr verlangen. Das sind immer noch 466 Euro weniger, als sie derzeit zahlt.
Wie viel unsere Leser sparen
Wir haben außer Christel Otte noch weitere Finanztest-Leser um ihre Beitragsrechnung gebeten, um auszurechnen, wie viel sie durch einen Wechsel sparen würden. Immerhin fast 100 Euro im Jahr würde es ausmachen, wenn Familie Gaido aus Münster ihren Fiat Punto statt bei der VHV beim Versicherer deutsche internet versichern würde.
Das Ehepaar Geske aus Bonn hat seinen Mercedes bei der Öffentlichen Versicherung Braunschweig versichert. Günstiger wäre für sie der Versicherer Ontos. Die beiden können durch den Wechsel gut 75 Euro im Jahr sparen.
Nur bei Matthias Hoernle aus Berlin hat sich das Rechnen nicht gelohnt. Ein günstigeres Angebot als die 411,18 Euro, die er zurzeit bei der DA Direkt für die Haftpflicht- und Teilkaskoversicherung zahlt, gibt es nicht.
Dabei gehört gerade er nicht zu den Lieblingskunden der Versicherer. Er lässt nämlich auch seinen 19-jährigen Sohn Ole mit seinem Mazda fahren. Und Fahranfänger sind aus Versicherungssicht immer „schlechte Risiken“. Der 39-jährige Grafikdesigner erklärt: „Ich habe sehr lange gesucht, bis ich ein akzeptables Angebot gefunden habe.“
Etwas Zeit zum Suchen
Eine passende und günstige Kfz-Versicherung herauszusuchen, kostet Zeit. Eine erste Orientierung bieten die allgemeinen Beitragsniveaus der Anbieter für Haftpflicht und die Kombination Haftpflicht und Vollkasko in unserer Tabelle ab Seite 72. Sie zeigen, ob ein Versicherer im Durchschnitt zu den günstigen oder zu den teuren zählt.
Um das Beitragsniveau für die Kombination Haftpflicht und Vollkasko zu berechnen, haben wir für jeden Versicherer den durchschnittlichen Beitrag für die im ersten Halbjahr 2004 meistverkauften 18 Autotypen anhand eines Modellkunden ermittelt. Das Beitragsniveau nur für die Haftpflicht basiert dagegen auf viel genutzten zehn Jahre alten Gebrauchtwagen.
Der Modellkunde dazu wohnt in einem Ort, für den in der Haftpflicht- und in der Vollkaskoversicherung eine mittlere Regionalklasse gilt.
Er nimmt kaum Rabatte in Anspruch und zahlt einen Beitragssatz von 100 Prozent. Das erleichtert den Vergleich. Kunden können nun für jeden Autoversicherer vom vergleichbaren Beitragsniveau ausgehen und prüfen, welche Rabatte sie bekommen können und welche Zuschläge sie zahlen müssen.
Der Preis, den ein Kunde für die Versicherung zahlen muss, hängt nicht allein vom Grundbeitrag ab. Dieser ist nur der Ausgangspunkt der Rechnung. Dann gibt es für eine Fülle von Merkmalen Rabatte und Zuschläge. Das Alter des Fahrzeugs spielt ebenso eine Rolle wie das Alter des Fahrers und natürlich, wie lange er schon unfallfrei fährt.
Klaus Schmidtke, Sprecher der Allianz, erklärt: „Bei unserem Tarif für Neukunden ist die Ausdifferenzierung noch stärker. Faktoren wie Fahrverhalten, Garage oder Alleinfahrer spiegeln sich noch deutlicher im Beitrag wider.“
Alle Versicherer berücksichtigen bestimmte statistische Werte, wenn sie ihren Beitrag festlegen. Nur welche und wie stark sie bei der Beitragsgestaltung eine Rolle spielen, ist unterschiedlich.
Da die Autoversicherungsbeiträge individuell so unterschiedlich sein können, haben wir zusätzlich zum Modellkunden für das Beitragniveau noch sechs weitere Modelle gebildet: Die Frau, die junge Familie, Vater und Sohn, den Vielfahrer, den Anfänger und den Traumkunden. Für diese nennen wir die zehn günstigsten Anbieter aus dem Test im Vergleich zum teuersten.
Versicherer wählen Kunden aus
Der Versicherer Direct Line hat im Durchschnitt einen günstigen Grundbeitrag. Doch wenn Rabatte und Zuschläge hinzukommen, schafft er es nur bei der jungen Familie in die Liste der zehn günstigsten.
Für Fahranfänger ist dieser Anbieter sogar extrem teuer. 7 090 Euro im Jahr verlangt er für Haftpflicht und Teilkasko von unserem Modellkunden, nur 2 876 Euro nimmt die Arag.
Es gehört wohl zur Unternehmenspolitik, Fahranfänger abzuschrecken. „Die hohen Beiträge sind zumindest kein Zufall“, sagt Wolfgang Ullmann von Direct Line.
Auch Generali zeigt sich nicht gerade als Jugendfreund. Das Unternehmen will von unserem Modellkunden noch mehr, und zwar 7 290 Euro im Jahr.
Vergleichen ist besonders für Kunden wichtig, die bei den Versicherern unbeliebt sind, zum Beispiel Anfänger oder Vielfahrer. Vor allem jetzt, wo der Markt in Bewegung geraten ist, lohnt es sich, den eigenen Beitrag zu überprüfen.
Da Markführer Allianz seinen neuen Tarif ohne Medienrummel eingeführt hat, waren die Konkurrenten überrascht. Viele schafften es nicht gleich mitzuziehen. Einige wie Arag, Gerling oder VHV änderten ihre Beiträge im Oktober. Auch die Huk-Coburg, mit 7 Millionen versicherten Fahrzeugen größter Konkurrent der Allianz, will reagieren. „Wann, steht aber noch nicht fest“, sagt Sprecher Holger Brendel.
Wir berichten im nächsten Heft über weitere Änderungen. Nach Erscheinen bleiben dann aber nur noch 13 Tage Zeit zum Wechseln.
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