Der deutsche Automarkt hat zu Beginn des Jahres 2003 wieder den Rückwärtsgang eingelegt - das vierte Jahr hintereinander. Dem Autokäufer beschert das sinkende Preise, günstige Finanzierungen und Rabatte beim Barkauf.
Jürgen meint: „Autokauf auf Kredit ist besser, weil sonst das Geld sofort weg ist und nicht als stille Reserve für den Notfall dienen kann.“ Thomas ist anderer Meinung: „Barzahlung ist immer noch das beste, weil ich dann sofort Eigentümer des Autos bin und beim Händler den höchsten Preisnachlass aushandeln kann.“
Die zwei Meinungen aus dem Online-Diskussionsforum der CC-Bank zeigen, dass es für beide Wege, ein Auto zu kaufen, gute Argumente gibt. Und da ist ja noch eine dritte Möglichkeit: Das Auto zu leasen, es also nur für eine gewisse Zeit zu nutzen und dann wieder zurückzugeben.
Finanztest hat bei 28 Gesellschaften Finanzierungsangebote für elf beliebte Neuwagenmodelle eingeholt und berechnet, was Finanzierung und Leasing den Privatmann kostet.
Bei Barkauf über Preis verhandeln
Am billigsten für Autokäufer ist Barzahlung. Sobald Bargeld winkt, lassen sich fast alle Autohändler auf Rabattverhandlungen ein. Wegen der schlechten Absatzlage sind Nachlässe bis zu 20 Prozent auf den Listenpreis möglich. Nur bei sehr begehrten Modellen oder Nobelmarken sind kaum Rabatte drin.
Manchmal bietet der Händler dem Kunden an, seinen alten Wagen zu einem hohen Preis zurückzunehmen. Üblich sind auch Zugaben. Opel bot zum Beispiel im Februar 900 Liter kostenlosen Kraftstoff zu bestimmten Modellen an, Renault übernahm für einige Dieselmodelle die Kfz-Steuer und die Vollkaskoversicherung.
Superkonditionen der Autobanken
Als Barzahler steht auch der beim Autohändler, der sich das Geld von der Bank leiht. Ein normaler Kredit ist aber oft nicht so günstig wie die Angebote von am Hersteller gebundenen Autobanken (z. B. Opel Bank) oder von unabhängigen Autobanken (z. B. Allbank).
Fiat und Nissan warben im Februar gar mit einer 0,0-Prozent-Finanzierung, verlangten also keine Zinsen. Die Autobanken können so gute Konditionen bieten, weil Händler und Hersteller den Kredit subventionieren. Das kurbelt den Verkauf an. Über den Preis kann der Kunde dann aber kaum verhandeln.
Deshalb muss der Kunde abwägen: Nimmt er den Autobankkredit mit niedrigen Zinsen und ohne Rabatt auf den Kaufpreis oder lieber den Hausbankkredit mit marktüblichem Zins und handelt einen guten Rabatt aus? Mit der Tabelle „Hausbank oder Autobank“ können künftige Autokäufer nachrechnen, was besser ist.
Finanzierung und Leasing
Der Kunde kann aber auch zwischen Finanzierung und Leasing wählen. Die Finanztest-Berechnungen für elf Modelle haben ergeben, dass Leasing nicht wesentlich teurer sein muss als die Finanzierung.
Um die Kosten für Leasing und Finanzierung vergleichbar zu machen, hat Finanztest für jede Variante den Gegenwartswert berechnet. Wir haben dafür den Wert aller sofortigen und künftigen Zahlungen für ein Auto auf den Zeitpunkt der Kaufentscheidung heruntergerechnet. Der Gegenwartswert gibt an, wie viel Geld einer haben müsste, damit er eine Anzahlung leisten und nach und nach sein Auto abzahlen kann.
Um Kredit- und Leasingkunde in der Vergleichsrechnung gleichzustellen, haben wir beim Leasing angenommen, dass der Kunde nach Vertragsablauf ein Gebrauchtauto auf dem freien Markt kauft, das seinem bis dahin geleasten Wagen entspricht.
In einigen der elf berechneten Fälle ist der Kunde mit Leasing sogar günstiger dran. Zum Beispiel beim BMW. Das beste Leasing-Angebot für die 320d-Limousine kommt von VR-Leasing mit einem Gegenwartswert von 27 836 Euro. Das günstigste Finanzierungsangebot der Allbank ist 120 Euro teurer.
Auch beim Audi (A4 Avant) macht VR-Leasing ein günstigeres Angebot (28 126 Euro) als die Allbank für die Finanzierung (28 543 Euro). Eng beieinander mit kleinen Vorteilen für die Finanzierung liegen die Angebote für den VW Golf und den Opel Astra.
In der Regel geben die Autobanken den günstigsten Kredit. Von den herstellerunabhängigen Autobanken finanziert die Allbank häufig günstig. Beim Leasing tauchen Sixt Leasing, VR-Leasing und die Allbank öfter mit guten Angeboten auf.
Nicht nur auf die Rate schauen
Die Entscheidung zwischen Leasing und Kreditfinanzierung ist letztlich eine Frage des Typs. Steuervorteile hat nur der Geschäftsmann beim Leasing.
Wer least, wird nicht Besitzer des Autos. Er zahlt mit der Leasingrate nur die „Monatsmiete“ und den Wertverlust während der Vertragslaufzeit. Er bleibt finanziell flüssig und kann nach der Vertragslaufzeit wieder ein neues Auto fahren.
Doch er müsste – vernünftig kalkuliert – daneben noch sparen, damit er sich nach der Leasingzeit eine weitere Anzahlung für ein neues Auto leisten kann. Sonst steht er danach ohne da.
Und er muss wissen, dass er auch in einer Notlage an den Leasingvertrag gebunden ist. Ein vorzeitiger Ausstieg ist nur in seltenen Fällen möglich und außerdem teuer.
Für privates Leasing ist ein Vertrag mit Kilometerabrechnung besser als mit Restwertabrechnung. Während die Anbieter den Restwert je nach Marktlage schätzen, kann der Kunde seine jährlich gefahrenen Kilometer aufgrund der bisherigen Fahrpraxis gut einschätzen.
Für ganz Unentschlossene gibt es dann noch die 3-Wege-Finanzierung. Vielleicht sollten Jürgen und Thomas diese Alternative mal diskutieren.
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