31.01.2006

Alternative Behandlungsverfahren: Sanfte Medizin von der Kasse

Alternative Behandlungsverfahren Meldung

Alternative Heilverfahren werden immer beliebter. Zwei von drei Deutschen würden sich mittlerweile am liebsten durch eine Kombination aus Schulmedizin und traditioneller chinesischer Medizin behandeln lassen. Die Möglichkeiten für gesetzlich Krankenversicherte sind aber begrenzt. Nur Methoden, deren Wirksamkeit wissenschaftlich ausreichend überprüft sind, kommen in den Leistungskatalog der Kassen. Allerdings gibts einen gewissen Spielraum, den jede Kasse unterschiedlich stark nutzt. Finanztest sagt, welche alternativen Heilverfahren gesetzliche Krankenkassen zahlen und welche Bonusprogramme es gibt.

Verbotsliste für ambulante Behandlung

Alternative Verfahren wie Elektro-Akupunktur, Bioresonanztherapie oder die Hyperthermie für Krebspatienten stehen auf der Verbotsliste für die ambulante Behandlung. Derzeit umfasst diese Liste 42 Verfahren. Welche Methoden aufgenommen werden, entscheidet der Gemeinsame Bundesausschuss, ein Gremium aus Ärzte- und Kassenfunktionären. Die Entscheidung, ob ein bestimmtes Verfahren entweder in die Verbotsliste oder den Leistungskatalog aufgenommen wird, hängt vor allem davon ab, ob die Wirksamkeit der Methode wissenschaftlich nachgewiesen ist.

Spielraum von den Kassen

Solange bestimmte Heilverfahren noch nicht vom Bundesausschuss ausgeschlossen sind, können die Kassen Kosten dafür übernehmen. Es ist aber nicht klar definiert, wie viel die Kassen bezahlen dürfen und in welcher Weise sie für diese Leistungen werben können. Die Kassen nutzen diesen Spielraum ganz unterschiedlich. Wagen sich einzelne Kassen jedoch weiter vor als andere, können sie schnell Ärger mit dem Bundesversicherungsamt in Bonn bekommen.

Beispiel Akupunktur

In einem Modellversuch erproben die gesetzlichen Krankenkassen derzeit die Wirksamkeit der Akupunktur. Noch in diesem Monat soll sich dann entscheiden, ob das Verfahren in den Leistungskatalog aufgenommen wird. Die Chancen dafür stehen gut. Kassen würden dann künftig für Akupunkturbehandlungen zahlen, wenn damit chronische Schmerzen wie Kopfschmerzen, Schmerzen der Lendenwirbelsäule oder bei entzündlichen Gelenkerkrankungen behandelt werden.

Sonderregelungen möglich

In Ausnahmefällen bezahlen Kassen manchmal auch Therapien, die eigentlich ausgeschlossen sind. Sonderregelungen gelten etwa für Schwerkranke, die alle Möglichkeiten der Schulmedizin bereits ausgeschöpft haben oder für Menschen mit seltenen Erkrankungen, für die es noch keine allgemein anerkannte medizinische Standardbehandlung gibt. Allerdings kann der Weg dahin sehr mühsam sein und durch alle Instanzen gehen.

Kurse zur Vorbeugung

Auch wenn die Kassen für Naturheilverfahren oft nicht zahlen, muss niemand ganz darauf verzichten. Im Rahmen der Gesundheitsvorsorge bieten viele spezielle Kurse an, etwa zu Tai Chi, Qi Gong, autogenem Training oder auch Yoga. Oft veranstalten die Kassen die Kurse selbst. Es ist aber auch möglich, dass Versicherte Zuschüsse erhalten, wenn sie die Programme bei qualifizierten Fachleuten absolvieren.

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