27.02.2003

Allergikerbezüge für Matratzen: Milben mürbe machen

Allergikerbezüge für Matratzen Test

Hausstaubmilben in Matratzen machen Millionen Deutschen das Leben schwer. Spezielle Bezüge sollen vor den Allergenen schützen. test kann drei empfehlen.

Schnupfen, wie­derkehrende Bindehautentzündungen, Augentränen – unter solchen Symptomen litt die kleine Tochter der test-Leserin Ulrike R. ständig. Schließlich stell­te ein Arzt die Ursache fest: Das Mädchen hat eine Allergie gegen Hausstaubmilben. Der Arzt empfahl, im Kinderzimmer oft und gründlich Staub zu saugen und milbendichte Bett- und Matratzenbezüge anzuschaffen. Die Mutter hielt sich daran. Seitdem geht es dem Kind besser.

Acht Millionen Betroffene

Allergikerbezüge für Matratzen Test
Dicht gewebtes Textil (Kirchhoff, links) ist eine sichere Milbenbarriere – anders der Frotteebezug von Quelle.

Etwa jeder zehnte Bundesbürger, so der Ärzteverband Deutscher Allergologen, ist gegen Hausstaubmilben sensibilisiert. Kommen sie über die Haut oder Atemwege mit zu vielen Milben­allergenen in Kontakt, können sie krank werden. Hausstaubmilben ernähren sich von den Hautschuppen der Menschen und tummeln sich millionenfach in Betten, vor allem in den Matratzen. Die kleinen Spinnentiere sind höchstens einen halben Millimeter groß. Noch tausendmal kleiner sind die Partikel mit den Allergenen. Das sind Eiweißstoffe aus dem Kot der Milben. Also braucht ein Milbenallergiker einen Matratzenbezug, der die Allergenpartikel abhält. test hat zwölf Bezüge unter die Lupe genommen: Sind sie eine wirksame Barriere oder können die Allergene durch das Gewebe dringen?

Vier Bezüge sind mangelhaft

Allergikerbezüge für Matratzen Test
Die Prüfer bringen Staub mit Milbenallergenen auf die Matratze auf.

Das Ergebnis: Vier von den zwölf Bezügen im Test schützen gar nicht vor den Milbenallergenen. Der preiswerte Frotteebezug von Quelle ist nicht dicht genug gewebt, um die kleinen Partikel abzuhalten. Nicht viel besser ist der Bezug von Kaufhof. Resultat für beide: „mangelhaft“. Außerdem halten die Bezüge schlecht: Nach 20 Wäschen, was etwa einem fünfjähri­gen Gebrauch entspricht, waren die Näh­te des Quelle-Bezugs aufgegangen, am Be­zug von Kaufhof war der Reißverschluss kaputt. Besser in der Haltbarkeit, aber auch „mangelhaft“ im Schutz vor Milbenallergenen waren Protex Matratzencover (Anton Cramer) und ACb-Pristine (Dr. Beckmann). Bei ihnen können die Allergene durch den Stoff, aber vor allem durch schlecht abgedichtete Reißverschlüsse dringen.

Um die Durchlässigkeit zu ermitteln, haben wir die Bedingungen im Schlafzimmer nachgestellt: Die Prüfer trugen mit Allergenen belasteten Staub auf eine Matratze auf, bezogen sie und simulierten die Schlafbewegungen mit einer Walze. Dann wurde die Konzentration von Staubpartikeln und von Allergenen in der Luft an mehreren Stellen über der Matratze gemessen, zum Beispiel in Kopfnähe des Schläfers.

Immerhin sechs Bezüge halten die Al­­lergene sehr gut ab. Darunter sind zwei sehr dicht gewebte Textilbezüge, zwei mit dem Kunststoff Polyurethan beschichtete und zwei laminierte Bezüge. Grundsätzlich können all diese Materialien Milbenallergene abhalten – wenn sie keine zu großen Poren haben und auch an den Nähten gut verarbeitet sind.

Wenig Auswahl für starke Schwitzer

Allergikerbezüge für Matratzen Test
Dann simuliert eine Walze die Schlafbewegungen.

Manche der beschichteten und laminierten Bezüge sind aber aus einem anderen Grund nicht für jeden zu empfehlen: Sie führen Feuchtigkeit nicht optimal ab, was für starke Schwitzer unangenehm sein kann. Im Praxistest mit stark schwitzenden Personen gab es für vier Bezüge nur ein „Befriedigend“. Der Grund: Die relative Feuchte war auf der Kontaktfläche zwischen Mensch und Matratze höher als bei der Matratze ohne Bezug.

Die Liegeeigenschaften der Matratzen änderten sich dagegen durch die Bezüge kaum. Zum Teil wird die Kontaktfläche der Matratze zum Körper geringfügig kleiner, weil der Bezug sehr straff ist. Das ist aber nicht unangenehm oder ungesund, sodass alle Bezüge in diesem Punkt ein „Gut“ verdient haben.

Sinnloses Gift

In dem wirkungslosen Bezug von Quelle fanden wir deutliche Mengen der Substanzen Permethrin, Triclosan und Ortho-Phenylphenol. Die Substanzen können zwar grundsätzlich giftig für Kleinorganismen sein. Es ist aber sinnlos, sie auf einem Matratzenbezug gegen Milben einzusetzen. Denn sie zerstören weder die Allergene im Kot der Milben, noch die Milben, die sich in tiefere Regionen der Matratze zurückziehen. Die Allergene finden sich noch in bis zu drei Zentimeter Tiefe und gelangen durch die Bewegungen des Schläfers immer wieder an die Oberfläche der Matratze. Wenn der Bezug dann undicht ist, können sie den Allergiker gefährden – dagegen hilft auch keine Giftausrüstung.

Die vom Gift ausgehende akute Gefahr für die Gesundheit des Menschen ist zwar gering, denn zwischen Allergikerbezug und Schläfer wird noch ein Laken gespannt. Außerdem lösen sich die Substanzen beim Waschen zum Teil heraus. Dennoch: Allergiker sind empfindliche Menschen. Für sie gilt das Vorsorgeprinzip besonders. Sie könnten zum Beispiel beim Beziehen der Matratze mit den Substanzen in Kontakt kommen. Möglicherweise gelangen die Schadstoffe auch durch Abrieb in den Staub, durch das Waschen in die Umwelt.

Nach dem Vorsorgeprinzip bewerten wir auch die Organozinnverbindungen, die wir in drei Bezügen mit Polyurethan in deutlichen Mengen nachgewiesen haben. Solche Substanzen können das Immunsystem beeinträchtigen. Zwar ist die Gefahr gering, vor allem, weil sich die Polyurethan-Beschichtung auf der Innenseite des Bezugs befindet. Doch solche Substanzen haben in einem Bezug für Allergiker nichts zu suchen. Sie sind auch nicht notwendig, um einen wirkungsvollen Bezug herzustellen, wie der Test zeigt. Immerhin schaffen es drei Bezüge, die Milben optimal abzuhalten und gleichzeitig im Punkt Gesundheit und Umwelt „sehr gut“ abzuschneiden.

Kassen sind gefragt

Allergiker sollten sich für die besten Produkte entscheiden. Doch so einfach ist das nicht, zumindest wenn die Krankenkasse die Kosten übernehmen soll. Denn einige Kassen zahlen nur für bestimmte Marken. Darunter sind oft auch jene, die wir getestet haben, aber nicht unbedingt die, die am besten abgeschnitten haben. Viele Kassen orientieren sich am Siegel des RWTÜV aus Essen. Unser Test zeigt: Tatsächlich spricht das Zeichen für einen allergendichten Bezug. Doch es zeigt nicht, welcher Bezug am besten schützt. Außerdem fanden wir in zwei Produkten mit dem Zeichen auch Organozinnverbindungen. Diese tragen auch das Zeichen „Öko-Tex-Standard 100“, das eigentlich vor Schadstoffen in Textilien schützen sollte. Wir gehen davon aus, dass sich die Krankenkassen in Zukunft auch an unseren Testergebnissen orientieren. Tipp: Weisen Sie Ihre Kasse auf die Testergebnisse hin.

Zur Kostenübernahme haben wir insgesamt 80 Kassen befragt. Ergebnis: Die gesetzlichen Kassen zahlen in der Regel mindestens eine Kostenpauschale und oft sogar 85 oder 100 Prozent der Kosten für Matratzen-, Kissen- und Bettbezüge (100 Prozent meist bei Kindern). Oft werden die Kosten für diese Bezüge auch für die Partner und andere Familienmitglieder übernommen. Das ist sinnvoll, weil die Allergene sonst wieder in den Schlafraum gelangen können.

Private Krankenversicherer tragen die Kosten oft gar nicht oder nur in Einzelfällen. Auch Ulrike R. ging als privat Versicherte leer aus. Sie musste den Allergikerbezug für ihre Tochter selbst bezahlen. Und das, obwohl es zu dem Bezug kaum eine Alternative gibt. Zwar können Allergiker mit einer Hyposensibilisierung behandelt werden. Dabei werden ihnen Allergene in geringen Mengen, aber in steigender Dosierung gespritzt, bis sie nicht mehr allergisch reagieren. Doch die Behandlung dauert etwa drei Jahre und ein langfristiger Erfolg ist nicht in jedem Fall garantiert. Ob sie sinnvoll ist, sollte ein Arzt entscheiden.

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