27.05.2010

Alkoholfreies Weizenbier: Durstlöscher mit wenig Kalorien

Alkoholfreies Weizenbier Test

Hefeweizen ohne Alkohol ist ein kalorienarmer Durstlöscher, wie unser Test beweist. Als Sportlergetränk eignet sich aber keines der 20 Biere optimal.

Seit Jahren trinken die Deutschen immer weniger Bier, eine Sorte allerdings widersetzt sich diesem Trend: alkoholfreies Bier, insbesondere Hefeweizen ohne Alkohol. Ob in der Mittagspause, in der Autobahnraststätte oder nach dem Wandern – es löscht den Durst erfrischend und ist dabei ähnlich kalorienarm wie Apfelsaftschorle. Der Markt wächst, viele Brauereien kommen nicht mehr ohne alkoholfreies Weizenbier aus.

Hefeweizen auch aus Vorpommern

In Bayern wird das auch Weißbier genannte Weizenbier mit langer Tradition gebraut – doch nicht nur dort: Schon zur Hansezeit war es selbst in Stralsund beliebt. Auch die alkoholfreien Hefeweizen im Test kommen nicht nur aus dem Süden: In Hessen (Justus aus Pfungstadt), Nordrhein-Westfalen (Krombacher) und Vorpommern (Störtebeker aus Stralsund) setzen die Brauereien ebenfalls auf Weizen ohne Prozente. Sie bewerben es als gesund und scheuen in Aussagen zum Geschmack oft auch nicht den Vergleich zum alkoholhaltigen Original.

Kein Vergleich zum Alkoholhaltigen

Alkoholfreies Weizenbier Test
Das typische alkoholfreie Hefeweizen im Test hat eine helle Farbe. Doch je dunkler das eingesetzte Malz, desto dunkler auch das Bier: Das Farbspektrum reicht von sehr hell über bernsteinfarben bis relativ dunkel.

Doch eine geschmacklich allzu große Nähe zu alkoholhaltigem Weizenbier sollte niemand erwarten, wie der Test offenbart (siehe Text Im Vergleich zum Original). Das war für uns aber auch nicht ausschlaggebend. Bei den 20 alkoholfreien Weizenbieren im Test haben wir Fehler in der Sensorik bewertet, wie lange der Schaum hält und wie gut sie sich als Durstlöscher für jedermann und für besonders Aktive beim Sport eignen. Außerdem ging es um die mikrobiologische Qualität, die Auslobungen auf den Flaschen und um Schadstoffe, die aber – so viel vorweg – in keinem Fall eine Rolle spielten.

Mehr als jedes Zweite ist „gut“

Insgesamt „gut“ sind zwölf alkoholfreie Weizenbiere, darunter bekannte Marken wie Erdinger, Franziskaner, Krombacher und Schöfferhofer, aber auch das günstige Original Oettinger und das aus Biozutaten gebraute Neumarkter Lammsbräu.

Graf Arco und Schönbuch sind Letzte

Graf Arco und Schönbuch schneiden dagegen „mangelhaft“ ab. Sie enthielten lebende Milchsäurebakterien, die zwar nicht der Gesundheit, aber dem Bier schaden. Die Brauer können sie einsetzen, um die Würze zu säuern, im fertigen Bier sollten aber keine lebenden Milchsäurebakterien enthalten sein. Sie können das Bier verderben, denn sie wandeln den Zucker aus dem Braumalz nicht wie Hefe in Alkohol um, sondern in Milchsäure. Und das ist zu schmecken. Graf Arco und Schönbuch waren im Test sensorisch nur „ausreichend“. Beide rochen und schmeckten wahrnehmbar muffig, dafür gab es Abzüge.

Seltsames nahmen die Prüfer auch bei Justus wahr: Es roch schwach nach gekochtem Gemüse, das ist untypisch für Weizenbier.

Gewürznelke, Waldhonig, Banane

Die anderen 17 Biere im Test rochen und schmeckten rundum „gut“, wenn auch unterschiedlich: Sie sind mal mehr, mal weniger süßlich, säuerlich und malzig. Und sie variieren in den Aromanoten Gewürznelke, Waldhonig und Banane. Unsere sieben Prüfpersonen, die ihre Nasen und Gaumen auf Weizenbier trainiert haben, verkosteten jedes Produkt zweimal anonymisiert.

Tipp: Die Beschreibungen in den Tabellen und Testkommentaren helfen Ihnen, Ihr alkoholfreies Lieblingsweizen zu finden.

Bei Kapuziner hielt der Schaum nicht

Wie beim alkoholhaltigen Weizenbier spielt die Schaumkrone auch beim alkoholfreien eine wichtige Rolle. Beim Testsieger Schneider Weisse hielt sie am längsten, bei Kapuziner fiel sie am schnellsten zusammen. Für eine schöne „Blume“ kommt es aber auch darauf an, richtig ins Glas einzuschenken (siehe Tipps).

Kalorien etwa wie bei Apfelschorle

Dass alkoholfreies Weizen so beliebt ist, liegt auch an seinem gesunden Image. Im Test kommt es durchschnittlich auf 23 Kilokalorien pro 100 Milliliter und liegt mit Apfelschorle etwa gleichauf. Damit empfiehlt es sich auch gegen den Durst im Alltag – trotz der geringen Alkoholgehalte.

Traubensaft darf mehr Alkohol haben

Kein alkoholfreies Weizenbier im Test ist gänzlich alkoholfrei. Alle halten aber den gesetzlichen Höchstwert von 0,5 Prozent ein – selbst Traubensaft darf mehr haben.

Die Mineralstoffzusammensetzung des alkoholfreien Weizenbiers ist günstig für Otto-Normal-Durstige: Kalium und Magnesium sind reichlich enthalten, auch etwas Kalzium, Natrium dagegen kaum. Alkoholfreies Weizen ist eines der wenigen Lebensmittel, mit denen der Mensch sich einfach mit Folat versorgen kann. Es ist vielen als Folsäure bekannt – exakterweise bezeichnet Folsäure aber nur die synthetische Form des B-Vitamins. Etwa 30 Prozent des täglichen Bedarfs deckt eine Flasche alkoholfreies Weizenbier. Fast alle im Test eignen sich somit „gut“ als Durstlöscher.

Leistungssportler, Marathonläufer und Anhänger anderer zehrender Aktivitäten haben dagegen andere Ansprüche an ein Getränk beim Sport. Die alkoholfreien Weizenbiere erfüllen sie bestenfalls „befriedigend“. Das liegt vor allem an den sehr geringen Natrium- und den hohen Kaliummengen (siehe Text Als Sportlergetränk).

Will-Bräu will isotonisch sein

Dabei werben viele Anbieter mit dem Genuss bei oder nach dem Sport. Zehn schreiben auf das Etikett, ihr Getränk sei isotonisch. Die Konzentration der gelösten Teilchen wie Mineralstoffe oder Kohlenhydrate muss dann genauso hoch sein wie im Blut des Menschen. Das stimmt bei allen, die damit werben – nur bei einem nicht: Im Hefe Weizen Alkoholfrei von Will-Bräu ist die Konzentration zu niedrig, es ist damit hypotonisch und nicht isotonisch Die „mangelhafte“ Deklaration führt bei ihm zum test-Qualitätsurteil „ausreichend.“

Auch sonst fanden wir viele Fehler in der Kennzeichnung, vor allem bei den Nährwerten scheinen die Brauereien Wissens- oder Erfahrungslücken zu haben. Denn auf Bieren mit Alkohol geben sie Brennwert, Eiweiß und Kohlenhydrate meist nicht an, bei alkoholfreien schon. Da geriet aber einiges durcheinander, zum Beispiel Milli-, Mikro- und Nanogramm. Tatsächliche Vitamin- und Kaloriengehalte wichen von angegebenen ab und manche Schrift auf den Flaschen war nur mühselig zu entziffern. Abzüge gab es auch, wenn das Etikett des alkoholfreien Biers versprach, dass es ähnlich schmeckt wie das alkoholhaltige, es aber nicht stimmte (siehe Text Im Vergleich zum Original).

Gärungsstopp und Entalkoholisieren

Alkoholfreies Weizenbier Test
In speziellen Kabinen haben sieben Prüfer die Biere verkostet. Die Ausprägungen bestimmter Eigenschaften geben sie direkt in den Computer ein.

Denn auch mit verschiedensten Herstellungsverfahren bleibt ein geschmacklicher Unterschied zwischen alkoholhaltig und alkoholfrei. Erst ist der Brauprozess für beide noch gleich: Aus Weizen- und zum Teil etwas Gerstenmalz stellt der Brauer die Maische her, brüht und siebt sie. Zu dieser Flüssigkeit, der Würze, gibt er Hopfen.

Bevor jetzt Hefe dazukommt, die den Malzzucker in Alkohol und Kohlensäure aufspaltet, kühlen manche Hersteller den Sud ab. Dadurch gärt er nur langsam, es entsteht kaum Alkohol – aber auch kaum Aroma. Deshalb schwören andere Hersteller darauf, das Bier auf normalem Weg zu brauen und hinterher den Alkohol zu entziehen – meist durch Destillation, wobei Alkohol verdunstet. Kleine Brauereien ohne die entsprechende Technik lagern diesen Schritt aus. Das Problem des Entalkoholisierens: Aromastoffe gehen verloren, das Bier schmeckt oft wässriger. Beide Methoden haben also Nachteile. Um möglichst viele Nachteile zu umgehen, kombinieren einige Hersteller die Verfahren auch.

Lange in Vergessenheit geraten

Weizen galt übrigens lange als zu kostbar für Bier. Ab etwa 1600 aber produzierten die meisten kurfürstlichen bayerischen Brauereien nur noch Weißbier. Mitte des 18. Jahrhunderts kam es dann aus der Mode und geriet bis nach dem zweiten Weltkrieg beinahe in Vergessenheit. Erst in den 60er Jahren kam die Trendwende. Heute ist es unter den alkoholhaltigen Bieren nach Pils und Export die beliebteste Sorte.

Lesen Sie auf der nächsten Seite: Im Vergleich zum Original

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