06.03.2006

Aldi-Bohrhammer: Billig bohren

Aldi-Bohrhammer Schnelltest

Selbst für erschwerte Heimwerkerei hat Discounter Aldi zuweilen eine Lösung. In der vergangenen Woche war ein Bohrhammer der 3-Kilo-Klasse für nicht mal 40 Euro zu haben. So viel kosten andernorts schon mal die Bohrer, die beim Aldi-Angebot als Zubehör mit im Koffer stecken. Doch gerade Billigwerkzeug entpuppte sich im test-Labor des Öfteren als unbrauchbar. Der Aldi-Bohrhammer bekam sein Chance. Und hinterließ ein zwiespältiges Bild. Ebenfalls im Schnelltest: Ein bei Aldi-Nord passend zur Bohrmaschine angebotenes Hammerbohrer-Set für 4,99 Euro.

Schwächen bei sehr großen Löchern

Die Standardaufgaben erledigte der Aldi-Bohrhammer ganz ordentlich. Bei Bohren in Beton und Granit kam er bei kleineren Durchmessern in etwa so gut voran wie Markengeräte auch. Löcher bis 16 Millimeter sind sowohl in Beton als auch in Granit kein Problem. Auch 20 Millimeter große Betonbohrungen hämmert das Aldi-Angebot in Wand, Boden oder Decke, wird dabei allerdings schon spürbar langsamer. Gute Markengeräte liefern mehr Schlagkraft und kommen schneller voran.

Handgriff ohne Festigkeit

Bei der Handhabung allerdings leistete sich der Preishammer von Aldi deutliche Schwächen. Besonders nervig: Der verstellbare Extra-Handgriff lässt sich nicht ausreichend befestigen. Wenn der Bohrer sich festfrisst oder beim Schrauben mit großem Drehmoment verrutscht er. Beim Hämmern wandert er ganz allmählich in Richtung Bohrfutter. Auch der Bohranschlag hält nicht richtig und verstellt sich, wenn er zu viel Druck bekommt.

Vibrationen beim Bohren mit Adapter

Nicht weiter erwähnenswert: Das Bohren mit Bohrfutter-Adapter und herkömmlichen Stahlbohrern funktioniert nur mäßig. Die Bohrer im Adapter laufen nicht richtig rund. Die Vibrationen sind nicht nur unangenehm, sondern führen auch zu Löchern mit etwas mehr Durchmesser als gewünscht. Wenns wirklich präzise sein soll, muss eine herkömmliche Bohrmaschine her. Das allerdings ist Prinzip bedingte Schwäche aller Bohrhämmer und keine besondere Kritik am Aldi-Angebot.

Motor mit Durchhaltevermögen

Schwierigste Hürde für Billigwerkzeug ist der Dauertest. Der Motor im Aldi-Bohrhammer schafft ein für Billigwerkzeug anständiges Pensum. Erst nach 1 250 und 1 390 Zyklen von den geforderten 1 673 Zyklen gaben die beiden Geräte mit abgenutztem Antriebsritzel auf. Ein test-Zyklus heißt: Je zwei 12 und 16 Millimeter Bohrungen in Beton und Granit mit genau definierten Pausen. Für Heimwerker mit gelegentlichem Bohrhammerbedarf ist das Durchhaltevermögen mehr als ausreichend.

Hämmern mit Hindernissen

Beim Dauertest des Schlagwerks zierte sich der Aldi-Bohrhammer. Der Schalter für die Wahl zwischen Bohr-, Hammerbohr- und Meißelbetrieb verhinderte die Erprobung im Prüfstand. Durch die Vibrationen sprang er aus der Hammerstellung heraus und wechselte in eine undefinierbare Zwischenstellung ohne Schlagwerkeinsatz. Bei der Nachprüfung aus der Hand ergaben sich ebenfalls Probleme mit der Umschaltung zwischen Bohr-, Hammerbohr- und Meißelbetrieb. Durch das Versagen des Drehstopps kann im Meißelbetrieb nur noch eingeschränkt mit Spitzmeißel gearbeitet werden. Das Schlagwerk selbst zeigte nach 100 Bohrungen mit 16 Millimeter Durchmesser in Beton im Handbetrieb noch keine Schwächen. Wie lange es im korrektem Prüfstandbetrieb durchgehalten hätte, blieb allerdings offen.

Keine Spur von giftigen Weichmachern

Eine gute Nachricht noch: Das Chemielabor hat keinerlei Bedenken gegen den Bohrhammer-Einkauf bei Aldi. Von den andernorts in Billigwerkzeug oft in besorgniserregenden Mengen enthaltenen krebserregenden Weichmachern findet sich beim Aldi-Bohrhammer keine Spur.

Bohrer ohne sichtbaren Verschleiß

Stark präsentierte sich das Hammerbohrer-Set aus dem Aldi-Angebot. Während die als Zubehör mitgelieferten Bohrer einen ziemlich billigen Eindruck machten und der SDS-Schaft unsauber gearbeitet war, glänzten die Extra-Bohrer für 4,99 Euro (5,6,8 und 10 Millimeter Durchmesser) mit exakter Passform und durchlöcherten bei der Erprobung eine Gehwegplatte anstandslos und ohne sichtbaren Bohrerverschleiß. Kommentar des test-Ingenieurs: „Ich kauf mir die.“

Testkommentar: Preishammer mit mäßiger Durchschlagskraft
Technische Daten und Ausstattung : Im Überblick

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