06.06.2008

Ältere Bausparverträge: Nicht rausschmeißen lassen

Ältere Bausparverträge Meldung

Bausparkassen wie Wüstenrot, Huk und BHW drängen derzeit viele ihrer Kunden aus gut verzinsten Altverträgen. Für die Kassen sind sie teuer - für Kunden dagegen meist Grund zur Freude: Mit Sparzinsen zwischen vier und fünf Prozent sind die Altverträge eine lukrative Anlage. Daher sollten Kunden hochverzinste Verträge behalten und sich nicht zu einem Tarifwechsel überreden lassen.

Anspruch auf Bonuszinsen

„Jetzt gönn ich mir was!“ So leitete die Bausparkasse Wüstenrot ein besonderes Angebot für rund 65 000 Kunden ein: Sie legte ihnen die Kündigung ihres Bausparvertrags nahe und fügte einen „Abrufscheck“ in Höhe des Guthabens bei. Sieben Jahre seien vorbei, die Sparer könnten ohne Verlust der staatlichen Förderung über ihr Geld verfügen. Großzügig verzichtete die Kasse auf eine „Kündigungsgebühr“. Das Angebot ist alles andere als ein Geschenk. Wüstenrot will Kunden loswerden, bevor sie teuer werden. Wenn sie bis zur Zuteilung ihres Vertrags warten und dann auf ein Bauspardarlehen verzichten, haben sie Anspruch auf bis zu 3 Prozent Bonuszinsen – rückwirkend ab Vertragsbeginn. Viele erhalten auch die Abschlussgebühr zurück.

Mit Extras umworben

Mit solchen Extras umwarben die Bausparkassen in den Neunzigern Sparer, die gar kein günstiges Baudarlehen, sondern möglichst hohe Sparzinsen wollen. Bei den Top-Angeboten betrug die Gesamtverzinsung inklusive Bonus bis zu 5 Prozent. Mit der staatlichen Bausparförderung waren sogar Renditen von über 7 Prozent drin. In ihren neuen Tarifen haben die Bausparkassen die Sparzinsen längst gesenkt. Doch die alten Verträge bleiben gültig. Sie kommen die Kassen heute teuer zu stehen. Deshalb möchten sie ihre Renditesparer wieder loswerden.

Kündigungsprämie von Wüstenrot

Der Trick von Wüstenrot: Die Bausparverträge der angeschriebenen Kunden waren alle noch nicht zugeteilt. Damit hatten die Bausparer laut Tarifbedingungen noch keinen Anspruch auf die Bonuszinsen. Die Abschlussgebühr bekommen sie auch nicht zurück. Durch die Kündigung können sie mehr als tausend Euro verlieren. Das war Wüstenrot eine „Erfolgsvergütung“ wert: 50 Euro zahlte sie ihren Mitarbeitern pro gekündigten Vertrag. Auch andere Bausparkassen sehen in den Renditesparern zunehmend eine Last. So löscht die Huk-Coburg Bausparkasse automatisch den Lastschrifteinzug für die Sparbeiträge, sobald das Guthaben des Kunden 80 Prozent der Bausparsumme erreicht. Kunden, die weitersparen wollen, müssen dem Einzugsstopp widersprechen oder das Geld selbst überweisen. Auf diese Möglichkeiten weist die Bausparkasse im Brief an die Kunden aber gar nicht hin.

Weitersparen lohnt sich

Einen guten Vertrag sollten Bausparer auf keinen Fall vorzeitig aus der Hand geben. Mit Sparzinsen von über 4 bis 5 Prozent sind viele Altverträge eine lukrative Anlage. Für Kunden mit einem zu versteuernden Einkommen bis zu 25 600 Euro kommen bis zu 45 Euro (Ehepaare 90 Euro) Wohnungsbauprämie im Jahr dazu. Viele Bausparer müssen noch eine Zeit lang weitersparen, um sich die Bonuszinsen zu sichern. In den meisten Tarifen müssen sie dafür seit Vertragsabschluss mindestens sieben Jahre gespart haben und auch die Zuteilung abwarten.
Tipp: Lassen Sie sich nicht zum Wechsel in einen neuen Tarif überreden – auch dann nicht, wenn Sie später doch ein Bauspardarlehen aufnehmen möchten. Die niedrigeren Darlehenszinsen wiegen den Verlust an Sparzinsen in der Regel nicht auf. Prüfen Sie zudem anhand der Tarifbedingungen Ihres Vertrags, unter welchen Voraussetzungen die Bausparkasse Ihnen einen Zinsbonus zahlt. Manchmal müssen Sie den Wechsel in eine Tarifvariante mit Bonuszinsen extra beantragen.

Sparen nach der Zuteilung

Wer will, kann auch nach der Zuteilung noch munter weitersparen. Denn kein Bausparer muss die Zuteilung annehmen und sein Guthaben abrufen. Sobald die Bausparsumme erreicht ist, könnte allerdings Schluss sein. Die BHW Bausparkasse kündigte kurzerhand 7 000 Renditeverträge von Kunden, die mehr als die Bausparsumme gespart hatten (siehe Meldung Bausparen aus Finanztest 12/2007). Die Ombudsleute der privaten Bausparkassen – von verärgerten Kunden eingeschaltet – gaben der BHW weitgehend recht: Wenn die Bausparsumme erreicht sei, dürfe die Kasse mit einer Frist von drei Monaten kündigen. Ein BHW-Kunde klagt jetzt vor dem Landgericht Hannover gegen seinen Rausschmiss.

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