21.03.2012

Abmahnung: Vorsicht vor unseriösen Anwaltsschreiben

Abmahnung Meldung

Wenn Internet-Nutzer fremde Rechte verletzen, weil sie Filme oder Musikdateien in Tauschbörsen anbieten und herunterladen, droht Ärger. Wer erwischt wird, bekommt Schadenersatzforderungen von Anwälten. So etwas passiert auch Menschen, die sich keiner Schuld bewusst sind. Und jetzt droht auch noch Ärger durch Betrüger.

E-Mail einer scheinbar professionellen Anwaltskanzlei

Internet-Nutzer, die eine anwaltliche Abmahnung per E-Mail zugeschickt bekommt, sollten skeptisch sein. Derzeit versuchen Betrüger – als Anwaltskanzlei getarnt – Verbrauchern das Geld aus der Tasche zu ziehen. Das Anschreiben der Schein-Kanzlei Dr. Kroner & Kollegen wirkt auf den ersten Blick professionell: Die Betrüger geben vor, namhafte Firmen der Musik- und Filmindustrie wie Warner Music oder Sony zu vertreten und fordern für angeblich illegal heruntergeladene Musikdateien 891,30 Euro. Zahlt der Benachrichtigte gleich, müsse er der Kanzlei nur eine Vergleichssumme von 146,95 Euro überweisen.

Profit auf Kosten der Megaupload-Nutzer

In den Schreiben listen die Abzocker mehrere Termine aus dem Jahr 2011 mit genauer Zeitangabe auf und behaupten, der Angeschriebene habe in dieser Zeit von der Internetseite megaupload.com Musik, Filme und TV-Serien herunter geladen. Dabei ist es eher selten, dass man eine Abmahnung für herunter geladene Titel bekommt. „In den meisten Fällen geht es darum, dass ein Internetnutzer Musik- oder Film-Titel zum Tausch angeboten hat. Das ist der üblichere Fall und kann leichter nachgewiesen werden“, sagt Sebastian Dosch, Fachanwalt für IT-Recht. Anscheinend wollten die Betrüger daraus Profit schlagen, dass der Online-Speicherdienst megaupload.com im Januar von US-Behörden wegen des Verdachtes der Internet-Piraterie und Urheberrechtsverstöße vom Netz genommen wurde.

Eine typische Masche: Es werden wahllos E-Mails verschickt

Die aktuellen E-Mails wurden wahllos an Internetnutzer verschickt. „Das war im Grunde die gleiche Masche wie bei Abo-Fallen. Die Betrüger wollten Druck aufbauen, in der Hoffnung, dass die Leute zahlen“, sagt Anwalt Dosch. Davon solle man sich nicht einschüchtern lassen. Auch die Verbraucherzentrale Thüringen warnt vor dieser Abzock-Methode. Ralf Reichertz, Rechtsexperte der Verbraucherzentrale, empfiehlt Betroffenen, kein Geld an die Kanzlei zu überweisen und E-Mails der Münchner Schein-Anwälte zu löschen.

Warnsignale beachten

In dem Anschreiben der Tarn-Kanzlei gibt es viele Ungereimtheiten, bei denen Verbraucher stutzig werden sollten:

  • E-Mail. Die Benachrichtigung kam per E-Mail. Eine seriöse Anwaltskanzlei würde eine Abmahnung in der Regel per Post oder Fax schicken.
  • Werke. In der Abmahnung wurden keine konkreten Musik- oder Film-Titel genannt. Dabei müssen in einem solchen Schreiben immer genaue Titel aufgeführt werden.
  • Ausland. Der Betrag sollte auf ein Konto in der Slowakei überwiesen werden.
  • Kontakt. Die Kanzlei konnte keine Telefon- oder Fax-Nummer angeben, sondern war nur über eine Handynummer erreichbar.
  • Verfügbarkeit. Die Internetadresse, die in der E-Mail genannt wurde, ist mittlerweile offenbar abgeschaltet.

So erkennen Sie unseriöse Abmahn-Schreiben

Wenn Sie wissen wollen, ob die Abmahnung von einer seriösen Kanzlei stammt, können sie das einfach überprüfen. Jeder Anwalt, der in Deutschland arbeiten will, benötigt eine Zulassung. Die Bundesrechtsanwaltskammer stellt im Internet eine kostenlose Datenbank zur Verfügung, die alle zugelassenen Rechtsanwälte auflistet und aktualisiert dieses Anwaltsregister regelmäßig. Hier können Sie Name und Adresse eines zugelassenen Anwaltes eingeben und überprüfen. Die Kanzlei Dr. Kroner & Kollegen, die derzeit angeblich abmahnt, findet sich nicht in der Datenbank. Es gibt sie also in Deutschland gar nicht. Auf dieses Prüfkriterium sollten Sie sich nicht allein verlassen, denn es kann sein, dass ein junger Anwalt noch nicht registriert ist. Aber es kann einen wichtigen Anhaltspunkt liefern, ob es sich um Betrüger handelt.

Im Zweifel einen Anwalt fragen

Wenn Sie Abmahnpost von einem echten Anwalt bekommen, sollten Sie rechtlichen Beistand suchen. Auf Abmahnfälle spezialisierte Fälle finden Sie über die Anwaltskammern oder etwa über www.anwaltsauskunft.de. Auch wenn Sie sicher sind, im Internet kein Unrecht begangen zu haben: Die Abmahnung einer echten Kanzlei sollten Sie nicht einfach in den Müll werfen. Wenn es den Inhabern von Rechten an Filmen oder Musiktiteln gelungen ist, einen Zusammenhang zwischen einer verbotenen Handlung im Internet, ihrem Internetanschluss und ihrem Namen herzustellen, zieht das in aller Regel langen rechtlichen Ärger nach sich.

Was ein eigener Anwalt leisten kann

Mit Hilfe eines eigenen Anwalts können Betroffene einschätzen, ob die Gegenseite mit Ihren Vorwürfen durchdringen würde. Rechtslaien können zudem kaum einschätzen, ob die Schadenersatzforderungen in der Höhe angemessen sind. Schließlich werden Abgemahnte in der Regel auch aufgefordert, eine sogenannte Unterlassungserklärung abzugeben – sie sollen also verbindlich versprechen, bestimmte Dinge nicht wieder zu tun. Hier ist es häufig vernünftig, keine vorformulierte Erklärung, sondern eine sogenannte modifizierte Erklärung abzugeben, um zumindest weiteren Ärger zu vermeiden. Hier kann ein Anwalt helfen.

Mit dem Anwalt über das Honorar reden

Ganz wichtig: Reden Sie mit dem eigenen Anwalt über dessen Honorar. Erklärt er, er werde streng nach dem Rechtsanwaltsvergütungsgesetz vorgehen, dann heißt das nicht, dass Sie die Unterstützung nicht teuer kommen kann. Wenn die Gegenseite wegen vieler behaupteter Rechtsverstöße abmahnt, ist der Streitwert hoch – und dann kann auch die Rechnung des Anwalts schnell viele hundert Euro ausmachen. Fragen Sie deshalb frühzeitig, was an Kosten auf Sie zukommen würde. Es gibt Anwälte, die eine erste Einschätzung des Falles gratis vornehmen und dann zu Pauschalpreisen tätig werden, wenn der Mandant sie beauftragt.

Das eigene W-Lan absichern

Auch völlig redliche Internet-Nutzer können in Haftungsfallen tappen, zum Beispiel wenn Sie ihr drahtloses Heimnetzwerk – also das W-Lan – nicht vernünftig absichern und dann Fremde über das Netzwerk Verbotenes tun. Sie sollten Ihren Internet-Zugang verschlüsseln und mit einem Passwort schützen. Wie Sie dabei Schritt für Schritt vorgehen, steht im Gewusst Wie: Das W-Lan absichern.

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